FLESH // BILOURA Intercultural ArtsCollective (IT)

Unheard Voices of Vienna

AUSGEBUCHT! Sa 5.9.2020 // 20.00
ZUSATZVORSTELLUNG: Fr 4.9.2020 // 20.00

Unheard Voices of Vienna

AUSGEBUCHT! Sa 5.9.2020 // 20.00
ZUSATZVORSTELLUNG: Fr 4.9.2020 // 20.00

Limitierte Plätze!
Reservierungen unter imflieger@gmail.com


Bräuhausgasse 40/Souterrain, 1050 Wien
Tanz/Performance/Installation // freie Spende // food & drinks

Im Anschluss des work-in-progress showing am 5.9. gibt es eine offene Gesprächsrunde mit den Künstlerinnen und den Expertinnen Anna Mayrhofer und Sabine Kallauch der Initiative Stopp Sexkauf.

FLESH ist ein rohes, nüchternes Portrait über den weiblichen Körper als Objekt des Handels, der Ausbeutung, des Vergnügens und des Schmerzes. Im Zentrum von FLESH steht eine Frau, die mit ihrem Körper, durch Bilder und Klanglandschaften Fragmente eines Lebens in den Raum zeichnet. Sie entwirft Bilder die durch einen Klangteppich aus den Stimmen von gehandelten Frauen getragen werden. Die auf der Bühne geschaffene Intimität bezieht sich ständig auf ein breiteres Szenario: Menschenhandel, Prostitution, Ausbeutung, Marginalisierung. Die Performerin bewegt sich durch die Bildern und Stimmen von Millionen von Frauen, welche ähnliche Erfahrungen teilen, die durch geografische, wirtschaftliche und patriarchale Strukturen bedingt sind, aber global verankert sind: in einer spezifischen Sexualkultur, die dazu neigt, gewalttätig zu sein und Spuren am Körper derer hinterlässt, die sie durchlaufen haben.

FLESH ist ein enger Dialog zwischen dem Mikroerlebten des Sexbusiness – individuell, intim, menschlich – und dem Makrogeschäft – Ausbeutung, Ausgrenzung, Illegalität – in einer Gesellschaft in der Sexualität nicht vorrangig eine selbstbestimme Erfahrung ist, sondern vor allem eine kulturelle und wirtschaftliche, in der auf Bestellung eine Frau im Menü gewählt werden kann.

FLESH ist Teil des Projekts 5 VOICES FOR 1, welches sich seit 2017 mit der Marginalisierung von Frauen und im spezifischen mit Frauenhandel im Sexbusiness beschäftigt. Dank der Unterstützung des Startstipendiums für Darstellende Kunst des österreichischen Ministeriums für Kultur und Kunst arbeitete BILOURA Collective 2018 für sechs Monate künstlerisch mit ehemaligen gehandelten Frauen in der Prostitution und sammelte Soundmaterial anhand von Interviews und kreativen Workshops. Diese Stimmaufnahmen wurden für die Soundinstallation ECHO zu Klangteppichen verwebt und dienen als Ausgangspunkt für die Kreation von FLESH. Darüber hinaus ist die Performance von dem Buch „Paid For“ der irischen Autorin Rachel Moran inspiriert.

Im Anschluss des work-in-progress showings gibt es eine offene Gesprächsrunde mit den Künstlerinnen und einer Expertin der Initiative Stopp Sexkauf.

Regie, Sounddesign&Komposition: Angie Rottensteiner (AT/IT)
Performance: Silvia Ribero (IT)
Dramaturgie: Veronika Schwarz (AT)
Visual: Francesca Centonze (IT)
Licht: Viktoria Ferreri (AT/IT)
Mit den Stimmen von: Amoru, Betzabel, Blessing, Daniela, Erabab, Evelyn, Hope, Fatima, Juliette, Messy u.a.
Das Stimmmaterial von FLESH entstand in Workshops und Interviews mit ehemalig gehandelten Frauen in Kollaboration mit LEFÖ IBF und FOOTPRINT
Unterstützt von Im_flieger

Fotos von Franzi Kreis

BILOURA Intercultural Arts Collective ist ein Performance Kollektiv, das sich aus KünstlerInnen und Intellektuellen verschiedener Kulturen und Kunstsparten zusammensetzt und in Italien ansässig ist. Die künstlerische Forschungsarbeit konzentriert sich auf Interkulturalität und Transdisziplinarität und erforscht künstlerische Methoden zur Überwindung von kulturellen Barrieren als Teil einer multikulturellen Gesellschaft.
Seit der Gründung im Piemont im Jahr 2013 hat sich BILOURA zunehmend als internationale Plattform für Forschung und künstlerische Produktion konfiguriert, mit besonderem Augenmerk auf die innovative künstlerische Formen, auf kollektive Regiearbeit und auf den interkulturellen Dialog. Das Kollektiv befasst sich mit mehrjährigen transdisziplinären Projekten basierend auf aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen. Derzeit arbeitet BILOURA – im Rahmen des Projekts ODI und 5 VOICES FOR 1 – an Themen wie der Möglichkeit einer interkulturellen Gesellschaft, dem Menschenhandel in der Prostitution und der Marginalisierung von Frauen. Das Kollektiv organisiert zudem regelmäßig internationale künstlerische Austauschprojekte wie CLASTIC Residency, welche alle zwei Jahre fünf europäische Performancegruppen zusammenbringt. Die Residencies, Performances, Workshops und kulturellen Veranstaltungen von BILOURA tourten bereits durch Asien, Südamerika und Europa.

Recently: Gewinner einer dreimonatigen Residenz am Asian Cultural Center in Gwangju (Südkorea) für die Kreation von SILENT VOICES 2021; ausgewählt für das HANGAR POINT 8 Tutoring des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Region Piemont und der Fondazione Piemonte dal Vivo (Italien, 2019); Gewinner des Special Mention Award for a Performance by International Artist beim Bangkok Theatre Festival mit der Performance AMARSIAMORSI (Thailand, 2018); Kreation und Organisation der internationalen europäischen Kunstresidenz CLASTIC mit Unterstützung des University College London (UK, 2018); eingeladen nach Paris – Flüchtlingscamp Porte de la Chapelle – zur Kreation des Theatre of Hope von Good Chance Theatre (UK) mit ODI Projekt (Frankreich, 2017).
www.biloura.com

Angie Rottensteiner (AT/IT) geboren 1986 in Graz, arbeitet seit 2009 als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Performance, Musik und Regie. Bis heute hat sie zwei Kollektive für darstellende Kunst gegründet: ROSIDANT Kollektive 2009 in Wien und BILOURA Intercultural Arts Collective 2013 in Italien, mit denen sie in den letzten 10 Jahren rund zwanzig Performances und künstlerische Projekte geschaffen und die Welt bereist hat. 2011 gewann sie mit ROSIDANT den Jungwild Preis als beste Nachwuchsgruppe für die Performance Traum (a) in Rosa. 2017 erhielt sie das Startstipendium für Darstellende Kunst vom österreichischen Ministerium für Kunst und Kultur für das Projekt 5 VOICES FOR 1. 2018 Zusammenarbeit von BILOURA mit Good Chance Theatre London für das Projekt ODI in Paris. Zuletzt arbeitete sie als Dramaturgin und Performerin in Wien und debütierte am 22. Februar 2020 am Tanzquartier Wien mit der Aufführung „Wer Will Kann Gehen“ von Barbara Kraus.

Francesca Centonze (IT) (geb. 1990 in Italien) studierte an der Freien Universität Bozen und ist freiberufliche Filmemacherin und Designerin im Bereich Video, Animation, Grafik und Kunst. Als Regisseurin, Kamerafrau, Videoeditorin oder Produzentin war sie bereits in den verschiedensten Projekten und Kollaboration involviert. Francesca studiert und arbeitet derzeit zwischen Wien, Bozen, Triest und Mailand und arbeitet für verschiedene Kund*innen, wie Musiker*innen, Künstler*innen und Schauspieler*innen, sowie Institutionen wie das Büro der Vereinten Nationen (Wien) oder die Stadt Bozen. Seit 2018 ist sie Studentin bei Univ.-Prof. Mag.art Brigitte Kowanz (Transmediale Kunst, Angewandte). 2019 inszenierte sie das Theaterstück „MARYLIN LA BIONDA“, das im Teatro di San Giovanni in Triest aufgeführt wurde. 2020 wurde ihr animierter Kurzfilm „Coming Soon“ im Rahmen des „Beyond the City Limits“-Projekts nominiert und im Filmcasino präsentiert.

Silvia Ribero (AT/IT) (geb. 1985 in Italien) ist Performerin und Tänzerin. Bereits mit 8 Jahren begann sie ihre Theater- und Tanzausbildung in Turin (Italien). Bis zum Alter von 19 Jahren Schülerin des italienischen Theaterdirektors und Theoretikers Claudio Montagna und der Faber Theatre Company. Mit 23 Jahren beendet sie – neben ihrem Studium der Philosophie – das akademische Studium an der Sergio Tofano Drama School unter der Leitung von Mario Brusa sowie ihre Tanzausbildung unter Anita Cedroni und arbeitet als Schauspielerin und Tänzerin in Italien. Mit 24 Jahren beginnt sie ihre Ausbildung mit internationalen Meisterkursen: Gey Pin Ang, Odin Teatret, Living Theatre, Sergei Kovalevich, Babananda Barbajan, Workcenter von Jerzy Grotowski und Thomas Richards, Marigia Maggipinto, u.a. 2013 gründet sie BILOURA Collective und beginnt international vor allem in Europa, aber auch in Amerika und Asien zu arbeiten. U.a. 2014 Arbeit mit Leszek Madzik beim Avignon Festival in Frankreich, Auszeichnung 2018 mit BILOURA beim Bangkok Theatre Festival in Thailand, als Performerin 2020 mit Barbara Kraus im Tanzquartier Wien in Österreich. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit BILOURA ist sie außerdem als Regisseurin, Autorin, Lehrerin und Theoretikerin für darstellende Künste tätig.

Veronika Schwarz (AT) ist Dramaturgin und Performerin, spezialisiert auf zeitgenössisches Theater, Performance und transdisziplinäre Arbeiten. Engagements als Performerin in Graz und Wien 2002-2007 u.a. Steirischen Herbst, Theater am Ortweinplatz, Kristallwerk Graz, UniT, Literaturfestival Retzhof. Dramaturgische Arbeiten und Textentwicklung 2009 für den Verein Cocon, Regie und künstlerische Leitung 2008 Los locos de Valencia (Universität Wien, Instituto Cervantes). Produktionsdramaturgie Faust (2011) und Der junge Hitler (2012) für die neuebühnevillach (Regie: Manfred Lukas Luderer), 2013-2014 Engagement Landestheater Linz (Dramaturgie/ Schauspieldirektion/ KBBs) und künstlerische Mitarbeit bei Parzifal der Künstlerkollektivs Fura dels Baus. 2017 als Performerin bei Warten auf Godot (Regie: Markus Plattner) und 2018 die dramaturgische Erarbeitung der Theaterperformance Wir sind das Volk im Teilkollektiv (Regie: Matthias Rankov). 2018-19 Dramaturgie, Konzeptentwicklung und Performance für Silberberg (UA Felix Mitterer/ Regie: Markus Plattner). Sie wurde mit dem Förderpreis für junges Theater der Stadt Graz (2003) und mit der literarischen Auszeichnung Premio Erasmo des spanischen Kulturministeriums (2008) ausgezeichnet.